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Der Balsam der Wortanalyse

“Ehrgeizig in den Frühling!” lautete der Aufruf in der örtlichen Volkshochschule, der einen wohl anspornen soll, der persönlichen Qualifikation noch weitere Hard und Soft Skills wie Origamifalten, Buchführung oder Kommunikationsmanagement hinzuzfügen. Ehrgeizig. Abgesehen davon, was...

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Zeitmaschine

Geschrieben von Oliver | Verffentlicht in Fotos | Geschrieben am 29-08-2010

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Ein Sprung über die Bezirksgrenze hinaus ist manchmal wie eine kleine Zeitreise. Heute gesehen in Berlin-Weissensee:

Trabbi mit DDR-Aufkleber in Berlin-Weissensee.

Eine aussterbende Art, in freier Wildbahn fotografiert.

Neulich im Kino: The Expendables

Geschrieben von Toni | Verffentlicht in Filme | Geschrieben am 29-08-2010

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“Let´s get physical, physical
let me hear your body talk”

Mit obiger Songzeile begleitete ein gut gelaunter Sylvester Stallone die Pressefilmvorführung zu seinem brachialen Actionfilm „The Expendables“ vor einer erstaunten Schar Journalisten, die einen alternden, selbstreflektierten Actionstar erlebt haben dürften, der nicht frei von Selbstironie ist und an (halbwegs) passender Stelle auch Machiavelli (!) rezitierte.
„In den 80ern war der Körper sehr wichtig“ sagt Stallone und hat damit Recht. Popkulturell war es das Jahrzehnt der Körperlichkeit. So betrachten er und seine filmischen Mitstreiter ihren Körper auch als schuftende Arbeitsmaschinen, die stilistisch Jahrzehnte amerikanisches Actionkino prägten: arm an Handlung, reich an Explosionen. Auch sein neuer Streifen reiht sich mit der kaum vorhandenen Handlung in die Tradition billig produzierter B-Movies ein, in der es um eine fiktive südamerikanische Insel, einen korrupten Ex-CIA, einen Diktator, Drogen und natürlich eine Frau geht, um deretwillen die ganzen folgenden Gemetzel sich lohnen. Kluges Kino wir hier nicht geboten, was den Film aber nicht zu einem schlechten Film macht, denn wer hier Kopfkino erwartet ist wahrlich selber Schuld. Zuweilen macht es tatsächlich Spaß, Stallone, Dolph Lundgren, Jet Li, Mickey Rourke, Jason Statham, in einer kurzen Szene auch Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis und einen Haufen alternder Wrestler vor der Kamera zusammen agieren zu sehen, in der es einige schöne Szenen gibt, bei denen sie sich selbst nicht ganz so ernst nehmen. Inmitten der Explosionen, den Massenschießereien und den Prügeleien verwandelt Stallone das Actioninferno zur Reflexionsbühne über das Altern. Mit Jason Statham verpflichtet Stallone dabei einen Actionmimen der jüngeren Generation, der zu einem Star wurde, als es laut Stallone nur um computergenerierte Effekte geht. Doch der Vorwurf geht vorbei, denn zeitgemäße Actionfilme stellen für Charakterdarsteller keine Hürden dar, weil es Computereffekte gibt, sondern weil auch sie bereit sind, ihre Körper als Werkzeuge zu begreifen. Sie werden ins Fitnessstudio geschickt, bis ihre Körper die nötige physische Präsenz aufgebaut haben. Sie werden monatelang in Nahkampftechniken und im Umgang mit Waffen geschult, bis es so aussieht als wären sie wahrhaftige Martial-Arts-Meister. „Jede Generation braucht ihre eigenen Helden“ sinniert Stallone. The Expendables hat in dieser Generation mit seinem propagierten Männlichkeitsbild eigentlich nichts verloren. Er ist zugleich Hommage und Parodie, was auch in Ordnung geht. Das alles macht den Film nicht zu einem schlechten Film. Es ist die unverfrorene Lust am Töten, die allein in den ersten 15 Minuten des Films gezeigt wird, und ihn trotz nostalgischer Rückbesinnung über die Grenzen des Ertragbaren hinaus katapultiert. Zerfetzte und halbierte Körperleiber, distanzlose Referenzen zu videospielartigen Kamerasequenzen wie man sie von Wiki-Leaks veröffentlicht kennt. The Expendables ist ein Gewaltporno, in der die Lust am Niedermetzeln bedient wird und bleibt in seiner Gesamtheit eine ständige Grenzüberschreitung.

Spätzle & Knödel, Wühlischstraße, Friedrichshain – Tipp!

Geschrieben von Oliver | Verffentlicht in Empfehlungen | Geschrieben am 27-08-2010

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Schon wenn man das kleine Lokal in der Friedrichshainer Wühlischstraße betritt, fühlt man sich wie etwa 600 km weiter südlich: Original bayrische Wirtshaustische und -stühle, alte Lampen und Schwarz-Weiß-Bilder von Andechs und anderen oberbayrischen Orten verströmen echtes Wirtshausflair. Die Speisekarte ist übersichtlich, bietet jedoch alles, was das bayrische Herz begehrt: Knödel in vielen Variationen, Zwiebelrostbraten, Leberkäs und Spätzle werden hier dargeboten. Dazu gibt es bayrische Biere wie Riegele aus Augsburg oder Prälat Helles. Bei unserem gestrigen Besuch war ich von der Leberknödelsuppe, den Knödeln mit Schwammerlrahm und dem guten Prälat Hellem sowie der freundlichen und aufmerksamen Bedienung sehr angetan. Einzig und allein war es etwas ärgerlich, dass nicht auf der Karte stand, dass die Krautspätzle mit Speck sind, was Vegetariern den Genuss ein wenig versauert – deshalb unbedingt nachfragen, ob die Speise der Wahl auch vegetarisch ist, falls gewünscht! Das Fazit des Besuchs des Spätzle und Knödel in der Wühlischstraße: Der Weg nach München für gutes bayrisches Essen ist ab nun obsolet -der Weg in den Friedrichshainer Südkiez tut es auch.

Liebes Baiz, Torstraße, Berlin-Mitte!

Geschrieben von Oliver | Verffentlicht in Beobachtungen | Geschrieben am 24-08-2010

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Ihr habt eine neue Markise. Auf diese Markise habt Ihr groß und breit drucken lassen: “Kein Bex, kein Latte, kein Bullshit und dann auch noch Selbstbedienung!” Liebes Baiz, ja, genau das waren deine liebenswürdige Eigenschaften, wegen der ich früher oft bei dir ein “Nicht-Bex” genoss. Aber nun, da du diese Alleinstellungsmerkmale gegenüber den ganzen anderen “versnobten/verschickten/veryuppieten” Läden, um mal in deinem Jargon zur reden, auf deine Markise hast drucken lassen, ist das ein wenig zu dick aufgetragen, was dich plötzlich extrem unsympathisch macht. Es wirkt fast so, als hättest du den Klassenfeind persönlich in Form von McKinsey im Haus gehabt, die euch geraten haben, etwas für eure “Corporate Identity” zu tun. Willkommen da, wo du nie sein wolltest, Baiz: im Kapitalismus. Aber ich gehe in Zukunft lieber in die ganzen latent linken Kneipen, die dieses “Anders-sein” nicht so plakativ raushängen lassen.

Papa?

Geschrieben von Oliver | Verffentlicht in Beobachtungen | Geschrieben am 18-08-2010

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Ein dicker Transvestit liegt an der Haltestelle Rosenthaler Platz auf der Bank und wirkt so, als würde er im Liegen tanzen. Dann springt er auf die Gleise, reckt die Hände in die Höhe und murmelt etwas von göttlicher Macht. Rechtzeitig vor der einfahrenden Tram springt er von den Gleisen herunter und steigt mit mir in die M8 in Richtung Ahrensfelde. In der Tram unterhält er die Fahrgäste mit der Information, dass “diese Idioten” nun schon seit 6 Wochen im Verzug seien, und er brauche nun mal die 6 Millionen, sonst können er nicht “anfangen”, mit was auch immer. Er fügt hinzu: “Manchmal denke ich, die ganze Menschheit ist verrückt geworden!” Eine dicke, hässliche Frau ruft aggressiv: “Sowas wie Du gehört verboten!”. Ein Mann mit langen Haaren, Typ Gothic, ruft dem Transvestiten, der am Rosa-Luxemburg-Platz aussteigt, nach: “Papa?”
3 Minuten Berlin.

Bücherverbrennung reloaded: Gemeinde in Florida will den Koran verbrennen

Geschrieben von Oliver | Verffentlicht in Kontroverses | Geschrieben am 13-08-2010

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oder: Basislehrgang Deeskalation Teil 1: Wie man es nicht machen sollte

Eine evangelische Kirchengemeinde will zum 9.Jahrestag des 11.September öffentlich den Koran verbrennen. Dies wäre wichtig, da der Islam eine “teuflische Religion” sei. Man verkaufe auch schon fleißig T-Shirts mit dem Aufdruck “Der Islam ist des Teufels”.
Hier kann man mal sehen, dass das Christentum keinen Deut besser ist als der Islam. Was soll diese dumpfe Provokation von radikalen alttestamentarischen Empathieanalphabeten? Die muslimischen Gemeinden in Florida verhalten sich sehr klug, indem sie diesen Durchgeknallten keine Aufmerksamkeit schenken wollen. Die Frage an die christlichen Hetzer ist jedoch: Was will man damit auslösen? Will man (unter diesen Umständen nachvollziehbare) Anschläge auf ihre Kirche provozieren, um die Versicherungssumme zu kassieren? Was kommt als Nächstes? Vielleicht Hexenverbrennung?
Uh, oh, gerade kommt eine Newstickermeldung rein: In Florida verzeichnet man in den letzten Monaten eine Zunahme von gefährlichen Fällen akuten Hirnausfalls, da sind doch sicherlich irgendwelche hohen Mächte im Spiel! Vielleicht diese Rothaarige dort drüben, die letzte Woche nicht in der Kirche war?
Ich erlege dieser Truppe von wildgewordenen Schäfchen hiermit auf, für diese durchaus eine neue Christenverfolgung rechtfertigende Aktion Buße zu tun und 1.000 mal das Vaterunser zu beten. Ach, sie haben keine Zeit? Ja, stimmt, die kleine Gemeinde aus Florida ist total busy: Diese Woche demonstrieren sie gegen den Bürgermeister eines kleinen Orts in der Nähe ihrer Gemeinde. Warum? Hat dieser Bürgermeister etwa eine Bibel verbrannt? Nein, noch schlimmer: Er ist schwul.
Liebe Fundamentalisten, lasst Euch gesagt sein, falls Ihr es noch nicht wusstet: Gott ist tot, es stinkt schon. Und der Gestank scheint Eure Hirne ziemlich einzunebeln.

Projekt-Trullas reloaded ( Crossreading im Haus am See)

Geschrieben von Oliver | Verffentlicht in Kontroverses | Geschrieben am 10-08-2010

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Bähhhh….die Projekt-Trullas vom Post aus dem April sind gerade im Motor-FM Studio und breiten dort ihr blasiertes, arrogantes Gelaber über ihre “Crossreading”-Veranstaltung aus, die heute Abend im Haus am See stattfindet, was sie im April schon mit viel Gedöns im Oberholz geplant haben. Liebe Projekttrullas, Eure Namen sind wie Schall und Rauch in meinen Ohren, bitte verzeiht: Wie Ihr da Storys, die angefüllt sind mit Wortmonstern wie “arktischer Schweiß”, “Mein Herz ist eine Wüste” oder “Freelance Love” vortragt, bekomme ich das kalte Grausen. Ihr seit unbegabte, selbstverliebte Poserinnen, liebe Projektrullas, bitte seht das doch ein!
Vielleicht sucht eine nahegelene Kik- oder Schlecker-Filiale ja noch Mitarbeiterinnen? Oder Ihr holt Euren Hauptschulabschluss nach? Es gibt so viele sinnvolle Dinge, die Ihr tun könnt, doch bitte tut mir einen Gefallen: Hört auf mit Euren Projekten.

Von widerlichen News-Überschriften

Geschrieben von Oliver | Verffentlicht in Kontroverses | Geschrieben am 07-08-2010

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GMX titelt heute als Schlagzeile über den Angriff durch Taliban auf eine christliche Hilfsorganisation: “Nur eine Deutsche in Afghanistan getötet? “.
Was will GMX mit dem kleinen Wörtchen “nur” sagen? Dass sie sich gefreut hätten, wenn es mehr Deutsche getroffen hätte, damit es eine ordentliche Kracher-Newsstory gibt? Oder wollten sie damit ausdrücken, dass die anderen nicht-deutschen Opfer nicht sooo relevant sind, weil es nur mit ordentlich deutschen Opfern eine Kracher-Newstory gewesen wäre?

Ach, ach.

Ein Wow!! Tune-Yards

Geschrieben von Eva | Verffentlicht in Allgemein | Geschrieben am 07-08-2010

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Gestern im Festsaal Kreuzberg.
Ich wusste nicht, was mich erwartet, aber es war das Beste an Konzert was mir, ja, quasi je passiert ist. Es flowed und energieströmt heftig und vielseitig von der Bühne. Die tun da irgendwas in die Schallwellen..Hoffentlich sind sie bald wieder in Berlin.
Dies Stück hier kann nur als Eindruck dienen. Am Besten Ihr reist am 15. August nach Hamburg und seht sie Euch an, die Frau und die Musik!

Neulich auf DVD: Alice im Wunderland

Geschrieben von Toni | Verffentlicht in Filme | Geschrieben am 02-08-2010

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Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Am Ende dieses Films, am Ende also, nach fantasievollen Schlachten zwischen Herzkarten, drachenartigen Monstren, Mäusen als possierliche Helferchen, einem Hutmacher, einer bösen und einer guten Königin, am Ende dieser Massenschlacht, die Filmen wie Herr der Ringe oder auch die Chroniken von Narnia geschuldet ist, träumt Alice von der Ökonomiesierung der Welt, von der ihr verstorbener Vater als Vision träumte. Belehrend stellt sie sich am Ende ihrer Reise den Anforderungen, die das viktorianische England an ein gesellschaftliches Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein stellt, entgegen aller Spießigkeit.
Die Reise in den Tunnelbau des Kaninchens ist durchaus fantasievoll und originell bebildert, hinterlassen aber den Eindruck reiner Schauwerte, da die Dramaturgie doch recht einfallslos, ja fast enttäuschend wirkt. Vermutlich geht es in Carrol Lewis Werk auch mehr um das Assoziative als um den erzählerische Handlunsstrag (?!), doch wenn am Ende der Fantasie, der Traum einer globalisierten (im Anspruch freilich auch gerechten) Welt steht, ist der Film an Naivität kaum zu überbieten. Allzu flach lassen die inneren Kämpfe der Pubertät Alice als selbstbewusste, emanzipierte Geschäftsfrau reifen. Spannung mag in den Kämpfen, die tief im Reich hinter dem Kaninchenbau ausgetragen werden, nicht aufkommen. Da reichen auch nicht die von Burton bestaunenswerten Bilderwelten. Ebenfalls auch nicht Johnny Depp, der den Hutmacher verlässlich gut spielt, aber auch uneindeutig zu seiner Rolle als Captain Jack Sparrow aus „Der Fluch der Karibik“ bleibt und gerade noch so am Vorwurf vorbei kommt, seine Rolle mit Tuntenklischees zu füllen: Wie auch schon in Fluch der Karibik bleibt Depp immer stil- und würdevoll und nicht lächerlich. Nur, er hat es einmal zu oft gespielt. Er und die visuelle Schöpfungskraft Tim Burtons lassen den Film knapp an einem Ärgernis vorbeischrammen. Enttäuschend bleibt er trotzdem.