Werbekritik: Von Absteigen und Reserviehrungen

26 Apr

Die aktuelle Werbekampagne des Hotelportals hrs.de fällt auf. Unangenehm – durch Logikfehler, die eine große Werbeagentur eigentlich im Vorfeld hätte ausräumen müssen.
Rudi Assauer, bekennender Fussball-Machoproll und neben Bill Kaulitz Werbeträger von hrs.de, wurde auf einem Motiv der Kampagne, die derzeit auf Plakatwänden quer durch die Republik auf sich aufmerksam machen will, folgender Satz in den Mund gelegt:”Absteigen ist nicht mein Ding. Außer in einem Klasse Hotel.Ich reserviehrs.”
Hä? Hier wollte man anscheinend die Analogie “die Absteige / absteigen” heranziehen, um ein lustiges Wortspiel an den Haaren herbeizuziehen.
Die Spielerei “Ich reserviehrs” kann man ja noch großzügig übersehen, aber der Satz davor ist einfach zu ärgerlich: “Absteigen” , wenn es nicht als Substantiv gebraucht wird, steht ja normalerweise nicht für das “Absteigen in Absteigen” sondern, für mich zumindest, relativ neutral für das Übernachten in einem Hotel, welcher Klasse auch immer.
Liege ich damit falsch, dass die Werbeagentur eigentlich folgenden Wortlaut vorschlug: “Absteigen? Nicht mein Ding, außer in einem klasse Hotel” und der Kunde HRS den mit irgendeiner Begründung wie “Hörense mal,wir haben Premiumkunden, die wollen lange Sätze lesen, außerdem wollen wir die Klasse, die wir nunma haben, herausheben, also wird klasse bei uns groß geschrieben”, ablehnte? Ihr Werber habt es wirklich nicht leicht. Aber wenn jemand mit einem dicken Geldbündel wedelt, dann läßt man gerne mal alles, was man im Germanistikstudium gelernt hat, links liegen, habe ich recht? Denn vor etwas habt Ihr, das habt Ihr mit Zigarrenrudi gemeinsam, höllische Angst: vorm Absteigen.

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