Pilzsammler-Mythen

28 Apr

Ich las gerade in einem Buch einer “Berliner Zeitung”- Redakteurin, das ich am Sonntag aus einem “Geschenkt” Karton auf dem Flohmarkt mitgenommen habe, mehr ist es nun bei aller Liebe auch nicht wert, dass Pilzesammeln ein reines Osthobby gewesen sein soll.
Zitat aus dem launisch-langweiligen Machwerk “Soll man so leben?” von Regine Sylvester: “Die alten Bundesdeutschen haben Angst vor dem Knollenblätterpilz und keine Ahnung. Sie halten die fette Henne für ein Geflügel, die Herbsttrompete für ein Blasinstrument”.  War das wirklich so? Ich erinnere mich an die Jahre als Jugendlicher, in denen ich jeden Herbst die Wälder um München abgraste und dabei im Schnitt alle 15 Minuten auf einen anderen Pilzsammler traf. Es gab Pilz-Wanderwege, es gab ausführliche Pilz-Beschreibungstafeln und wir hatten mindestens fünf Pilzbestimmungsbücher zu Hause, die ich in der pilzlosen Zeit, während die anderen Kinder ins Schwimmbad rannten, auswendig lernte. Ich freute mich auf die ersten Parasolpilze, die paniert besser als jedes Wiener Schnitzel schmeckten, ich durchstöberte die Rezeptesammlung meiner Mutter nach Pilzomeletterezepten. War nur ich so? Herrschte im Westen pure Pilzignoranz und im Osten unbremsbare Pilzeuphorie?
Sicher, im Osten gab es das Angebot an Lebensmitteln nicht, das es im Westen gab, aber hat das Pilzesammeln denn überhaupt etwas mit reiner Nahrungsbeschaffung zu tun? War es denn nicht eher einer Jagd nach Trophäen gleichzusetzen? Bei der das Aufessen der Trophäen nur bloße Pflichterfüllung war? OK, das sage ich aus meiner bornierten Westler-Position, aber mich würde interessieren, wie das wirklich war in der DDR. Damals, in den Pilzen.

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