Neulich im Kino: The Expendables
29 Aug
“Let´s get physical, physical
let me hear your body talk”
Mit obiger Songzeile begleitete ein gut gelaunter Sylvester Stallone die Pressefilmvorführung zu seinem brachialen Actionfilm „The Expendables“ vor einer erstaunten Schar Journalisten, die einen alternden, selbstreflektierten Actionstar erlebt haben dürften, der nicht frei von Selbstironie ist und an (halbwegs) passender Stelle auch Machiavelli (!) rezitierte.
„In den 80ern war der Körper sehr wichtig“ sagt Stallone und hat damit Recht. Popkulturell war es das Jahrzehnt der Körperlichkeit. So betrachten er und seine filmischen Mitstreiter ihren Körper auch als schuftende Arbeitsmaschinen, die stilistisch Jahrzehnte amerikanisches Actionkino prägten: arm an Handlung, reich an Explosionen. Auch sein neuer Streifen reiht sich mit der kaum vorhandenen Handlung in die Tradition billig produzierter B-Movies ein, in der es um eine fiktive südamerikanische Insel, einen korrupten Ex-CIA, einen Diktator, Drogen und natürlich eine Frau geht, um deretwillen die ganzen folgenden Gemetzel sich lohnen. Kluges Kino wir hier nicht geboten, was den Film aber nicht zu einem schlechten Film macht, denn wer hier Kopfkino erwartet ist wahrlich selber Schuld. Zuweilen macht es tatsächlich Spaß, Stallone, Dolph Lundgren, Jet Li, Mickey Rourke, Jason Statham, in einer kurzen Szene auch Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis und einen Haufen alternder Wrestler vor der Kamera zusammen agieren zu sehen, in der es einige schöne Szenen gibt, bei denen sie sich selbst nicht ganz so ernst nehmen. Inmitten der Explosionen, den Massenschießereien und den Prügeleien verwandelt Stallone das Actioninferno zur Reflexionsbühne über das Altern. Mit Jason Statham verpflichtet Stallone dabei einen Actionmimen der jüngeren Generation, der zu einem Star wurde, als es laut Stallone nur um computergenerierte Effekte geht. Doch der Vorwurf geht vorbei, denn zeitgemäße Actionfilme stellen für Charakterdarsteller keine Hürden dar, weil es Computereffekte gibt, sondern weil auch sie bereit sind, ihre Körper als Werkzeuge zu begreifen. Sie werden ins Fitnessstudio geschickt, bis ihre Körper die nötige physische Präsenz aufgebaut haben. Sie werden monatelang in Nahkampftechniken und im Umgang mit Waffen geschult, bis es so aussieht als wären sie wahrhaftige Martial-Arts-Meister. „Jede Generation braucht ihre eigenen Helden“ sinniert Stallone. The Expendables hat in dieser Generation mit seinem propagierten Männlichkeitsbild eigentlich nichts verloren. Er ist zugleich Hommage und Parodie, was auch in Ordnung geht. Das alles macht den Film nicht zu einem schlechten Film. Es ist die unverfrorene Lust am Töten, die allein in den ersten 15 Minuten des Films gezeigt wird, und ihn trotz nostalgischer Rückbesinnung über die Grenzen des Ertragbaren hinaus katapultiert. Zerfetzte und halbierte Körperleiber, distanzlose Referenzen zu videospielartigen Kamerasequenzen wie man sie von Wiki-Leaks veröffentlicht kennt. The Expendables ist ein Gewaltporno, in der die Lust am Niedermetzeln bedient wird und bleibt in seiner Gesamtheit eine ständige Grenzüberschreitung.



Danke für die wie immer großartiger Kritik. Den Film werde ich mir aber trotzdem nicht ansehen, ich habe viel zu große Angst, dass mich mein Cineasten-Arthaus-Videothekar dort sieht und mich fortan schief anguckt…
Ja, bzw. Nein, der Film ist ja auch schlimm… Echt, echt Porno… Warum hab ich ihn mir angeschaut? Ach…