Neulich auf DVD: Alice im Wunderland

2 Aug

Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Am Ende dieses Films, am Ende also, nach fantasievollen Schlachten zwischen Herzkarten, drachenartigen Monstren, Mäusen als possierliche Helferchen, einem Hutmacher, einer bösen und einer guten Königin, am Ende dieser Massenschlacht, die Filmen wie Herr der Ringe oder auch die Chroniken von Narnia geschuldet ist, träumt Alice von der Ökonomiesierung der Welt, von der ihr verstorbener Vater als Vision träumte. Belehrend stellt sie sich am Ende ihrer Reise den Anforderungen, die das viktorianische England an ein gesellschaftliches Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein stellt, entgegen aller Spießigkeit.
Die Reise in den Tunnelbau des Kaninchens ist durchaus fantasievoll und originell bebildert, hinterlassen aber den Eindruck reiner Schauwerte, da die Dramaturgie doch recht einfallslos, ja fast enttäuschend wirkt. Vermutlich geht es in Carrol Lewis Werk auch mehr um das Assoziative als um den erzählerische Handlunsstrag (?!), doch wenn am Ende der Fantasie, der Traum einer globalisierten (im Anspruch freilich auch gerechten) Welt steht, ist der Film an Naivität kaum zu überbieten. Allzu flach lassen die inneren Kämpfe der Pubertät Alice als selbstbewusste, emanzipierte Geschäftsfrau reifen. Spannung mag in den Kämpfen, die tief im Reich hinter dem Kaninchenbau ausgetragen werden, nicht aufkommen. Da reichen auch nicht die von Burton bestaunenswerten Bilderwelten. Ebenfalls auch nicht Johnny Depp, der den Hutmacher verlässlich gut spielt, aber auch uneindeutig zu seiner Rolle als Captain Jack Sparrow aus „Der Fluch der Karibik“ bleibt und gerade noch so am Vorwurf vorbei kommt, seine Rolle mit Tuntenklischees zu füllen: Wie auch schon in Fluch der Karibik bleibt Depp immer stil- und würdevoll und nicht lächerlich. Nur, er hat es einmal zu oft gespielt. Er und die visuelle Schöpfungskraft Tim Burtons lassen den Film knapp an einem Ärgernis vorbeischrammen. Enttäuschend bleibt er trotzdem.

One Response to “Neulich auf DVD: Alice im Wunderland”

  1. Eva 3. August 2010 at 02:18 #

    die 3d brille hilft über inhaltliche enttäuschung hinweg! ohne hätte ich den film nicht sehen wollen, die wirkung des films lässt dann augenblicklich nach. mit brille aber einfach nah, schön, beeindruckend und lässt abtauchen! den anspruch, ihn mit dem buch vergleichen zu können, kann man jedoch in der tat unterlassen.

    kampfszenen wirken extrem, eine simple ohrfeige hat 3d eine emotional kaum haltbare wirkung.
    falls sich 3d kino also durchsetzt, werden menschen nurmehr blümchen und pferdchen sehen wollen.
    alles andere ist zu viel action und die handlung ist aufgrund der mitreissenden bilder sowieso egal.
    eine neue epoche der filmkunst…:/ ?!

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