1.Mai 2010 in Kreuzberg: Same procedure as every year
2 Mai
Nach dem diesjährigen 1.Mai sollte die Polizei ihre Strategie endlich überdenken, denn langsam verkommt das alljährlich 1.Mai Spektakel zum dreidimensionalen Gesellschaftsspiel, an dem anscheinend auch die Polizei zunehmend an Freude gewinnt.
Angetrunkene Jugendliche provozieren, die Polizei reagiert, indem sie festnimmt – so war das in den vergangenen Jahren, so war das auch dieses Jahr. Ich hatte die Ehre, die erste Festnahme am Kotti gestern 2 Meter neben mir live miterleben zu dürfen. Da hatte aus einer Gruppe von Jugendlichen heraus ein etwa 16-jähriger die durch die Menge marschierenden Polizisten “Opfer” genannt. Sofort erfolgt der Zugriff von hinten, der Jugendliche wurde aus der Gruppe herausgezerrt und etwas 30 Polizisten stellten sich sofort vor die Szene, damit niemand dazwischentreten oder gar fotografieren konnte. Meines Erachtens war diese Reaktion weder angebracht noch zur Beruhigung der Lage am Kotti geeignet. Wowereit betonte heute in einer Nachbetrachtung, dass die Polizisten “besonnen” reagiert hätten. Etwa, als sie einen am Boden liegenden Jugendlichen ins Gesicht traten, wie auf einem Video bei youtube ersichtlich?Auf Indymedia berichten einige Augenzeugen, dass Polizisten gestern anscheinend ganz gezielt auf Menschen eingeprügelt haben. Eine Person wurde von einem Polizisten angeblich mit “Mütze runter, du Wichser!” angesprochen, und als der sich erkundigte, was dies solle, bekam er mehrere Schläge ins Gesicht. Mehrere Jugendliche sollen ohne Grund durch Polizisten zusammengetreten worden sein.Leider wurden all diese Fälle nicht auf Video dokumentiert, wie der Tritt des gewalttätigen Polizisten auf eine Demonstrantin am Spreewaldplatz. Wenigstens dürfte dieser, dessen Tat auf Video festgehalten wurde, hochkant bei der Polizei rausfliegen. Die massive Polizeigewalt vom 1.Mai am Spreewaldplatz wurde auch schon hier, hier, hier, hier, hier und hier aufgegriffen.
Die Provokateure hätten keine Angriffsfläche, wenn die Polizei einfach nicht da wäre. Die Aggression könnte sich dann höchstens gegen Ladengeschäfte richten, diese sind aber sowieso seit Jahren am 1.Mai verbarrikadiert. Ein Zehntel der gestrigen Truppenstärke, das sich konsequent im Hintergund hält und nicht ständig provozierend durch die katastrophenhungrigen Massen marschiert, wäre meines Erachtens nach wesentlich effektiver. Lieber Herr Glietsch, denken Sie mal darüber nach. Vielleicht sind die wahren Chaoten ja eher in den Reihen der Polizei zu suchen?






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